10.1 Erfassung spektraler Charakteristika

Die von der Sonne zugestrahlte Energie liegt überwiegend im Wellenlängenbereich zwischen 0,1 mm (1 mm = 10- 3 mm: Mikrometer) und 10 mm; es handelt sich also überwiegend um kurzwellige Einstrahlung (UV, sichtbares Licht, nahes und mittleres Infrarot).

Diese kurzwellige Strahlung wird von den Objekten an der Erdoberfläche teilweise reflektiert (in Abhängigkeit von der Albedo: hohe Albedo von Wasserflächen, geringe Albedo von dunklem Boden), teilweise absorbiert. Die absorbierte Strahlung erwärmt die Objekte auf der Erdoberfläche; diese senden als erwärmte Körper (proportional zu T4) langwellige Wärme-Strahlung (thermales und fernes Infrarot) zurück in die Atmosphäre.

Der entscheidende Ansatzpunkt für die digitale FE liegt darin, dass die Objekte an der Erdoberfläche (Pflanzen, Häuser, Wasserflächen etc.) in Abhängigkeit von ihrem Zustand die elektromagnetische Strahlung einer bestimmten Wellenlänge mit unterschiedlicher Intensität reflektieren bzw. emittieren:

Beispiel 1:

Beispiel 2:
Diese am Erdboden mit Hilfe von Strahlungsmessgeräten ermittelten Unterschiede im Strahlungsverhalten von Objekten dienen als spektrale Fingerabdrücke (Signaturkurven), um Objekte und ihre zeitlichen Zustandsänderungen zu identifizieren. Es werden also die von fern erkundeten Unterschiede in der frequenzabhängigen Strahlungsintensität der Pixel auf der Erdoberfläche analysiert.

Dabei gibt es allerdings ein erhebliches Problem: Je nach Beschaffenheit der Atmosphäre (Wassergehalt, CO2-Gehalt, O3-Gehalt, Aerosole) werden bestimmte Frequenzbereiche dieser reflektierten und emittierten Strahlung ganz oder teilweise auf dem Weg durch die Atmosphäre absorbiert (in Wärme umgewandelt), so dass sie nicht oder nur sehr schwach vom Strahlungssensor registriert werden können. In einigen spektralen Intervallen ist die Transmissivität (Durchlässigkeit) der Atmosphäre jedoch so hoch, dass in diesen spektralen Fenstern die Strahlungsintensitäten durch Radiometer genau erfaßt werden können:

R Ultraviolette Strahlung (0,2 - 0,4 mm)
R Bereich des sichtbaren Lichtes (0,4 - 0,7 mm: Blau, Grün, Rot)
R Nahes Infrarot (0,7 - 1,0 mm)
R einige Intervalle im mittleren IR (1,0 - 3,0 mm)
R einige Intervalle im thermalen IR (3,0 - 15 mm).

Der Frequenzbereich, für den ein Strahlungssensor die elektromagnetische Strahlung registrieren kann, wird in der FE ein Kanal genannt.
Viele Satelliten- und Flugzeug-Systeme sind in der Lage, für ein Pixel an der Erdoberfläche die Strahlung gleichzeitig in mehreren Kanälen zu registrieren. Solche multispektralen Radiometer liefern dann Multispektraldaten mit einer hohen spektralen Auflösung.


Beispiel:

Die Radiometersysteme auf Satelliten- und Flugzeugplattformen unterscheiden sich auch in anderen charakteristischen Eigenschaften:

Einen Überblick über einige Erderkundungssatelliten gibt die folgende Tabelle:
 
Satellit SPOT LANDSAT 5 LANDSAT 7 ERS - 1 NOAA IRS (LISS) METEOSAT
Betreiber SPOT Image NASA NASA ESA NASA Indien ESA
Umlaufbahn sonnensynchron sonnensynchron sonnensynchron sonnensynchron sonnensynchron sonnensynchron geostationär
Höhe 830 km 705 km 705 km 777 km 815 km 904 km 35.800 km
Anwendungs-
bereiche
Landnutzung,
Geologie
Landnutzung, Geologie,Hydrol. Landnutzung, Geologie, Hydrol. Landinformation, 
Ozeane, Eis
Erde bei Tag & Nacht Landnutzung, Geologie, Hydrol. meteorologische
Daten
Räumliche
Auflösung
10 m (pan)
20 m (ms)
30 m 
120 m (tir)
15 m (pan), 30 m (ms), 60 m (tir) 30 m 1.000 m
im Nadir
LISS 3: 25 m 2.500 m (vis)
5.000 m (ir)
Zeitliche 
Auflösung
21 Tage 16 Tage 16 Tage 3 Tage 12 Stunden 22 Tage 30 Minuten
Radiometr.
Auflösung
8 bit 8 bit 8 bit 8 bit 10 bit 8 bit 8 bit
Spektrale 
Auflösung
1 Kanal pan
2 Kanäle ms
6 Kanäle ms
1 Kanal tir
6 Kanäle ms
1 Kanal tir
1 Kanal pan
aktives Radar-
System (SAR)
5 Kanäle 4 Kanäle 2 Kanäle (vis, nir)
1 Kanal (tir)

Für den LANDSAT-Satelliten sind seine Konstruktion (11 kB), seine Umlaufbahn (65 kB), die spektrale Auflösung seines TM-Scanners (22 kB) und die Lage von TM-Szenen in NW-Deutschland (100 kB) dargestellt.