Auch hier wollen wir uns auf einige einfache Beispiele beschränken. Methoden zur Lösung komplexerer geometrisch-topologischer Probleme werden in der computational geometry (geometrische Datenverarbeitung) entwickelt; sie bilden eine wesentliche methodische Grundlage z.B. für Geoinformationssysteme. In der Übung "Werkzeuge zur numerischen Modellierung" werden derartige Methoden ausführlicher besprochen und benutzt.
In den folgenden
Beispielen soll jeweils ein kartesisches
Koordinatensystem im 2D-Raum R2
mit
euklidischer Metrik vorausgesetzt werden:
| Problem 1:
Liegt ein Punkt P(xP, yP) auf der Geraden g:= y = a + bx ? Lösung:
Beispiel:
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| Problem 2:
Berechne die Gerade g, die durch die beiden Punkte A(xA, yA) und B(xB, yB) geht Lösung:
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Alternative Lösung:
Man setzt die bekannten Punktkoordinaten in die 2-Punkte-Form der Geradengleichung
ein:
g:= y = yA
+ (yB - yA)(x
- xA) / (xB
- xA)
Beispiel:
Die Gleichung der Geraden
durch die beiden Punkte A(2;4) und B(4;2) lautet y= 6 - x
Sie hat also den Ordinatenabschnitt
6 und die Steigung -1.
| Problem 3:
Zwei nicht-parallele Geraden g und h schneiden sich in genau einem Punkt. Man bestimme die Koordinaten dieses Schnittpunktes S. Lösung:
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Beispiel:
g:= y = 2 - 3x und h:=
y = 4 + 5x;
die Lösung des Gleichungssystems
ergibt x = -0,25 und y = 2,75.
| Problem 4:
Wie weit liegt ein Punkt P von einer Geraden g entfernt ? Lösung:
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Beispiel:
Wie weit liegt der Punkt
P(3; 2) von der Geraden g:= y = 1 + 2x entfernt ?
Die Steigung der zu g
senkrechten Geraden h ist d = -1/2; mittels der Koordinaten von P erhält
man dann den Ordinatenabschnitt c = 7/2. Es ist also h:= y = 7/2 -1/2x. Für
den Schnittpunkt Q der beiden Geraden gilt dann Q(1; 3). Mithin ist d(P,g) =
d(P, Q) = 51/2
= 2,24...
| Problem
5:
Wie groß ist die Fläche eines Polygons (n-Ecks), wobei das Polygon durch einen geschlossenen, aus mehreren Linienstücken bestehenden Polygonzug beschrieben wird? Lösung:
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Hinweis:
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Beispiel:
Wie groß ist die
Fläche des durch die drei Punkte P1(1;
1), P2(5;
1) und P3(4;
5) definierten Polygons ? Die Anwendung der obigen Berechnungsformel ergibt
F = 8 Flächeneinheiten.
Problem 6:
Liegt ein Punkt
P innerhalb oder ausserhalb eines Polygons ?
Lösung:
Ist das Polygon konvex,
so ist die Lösung
noch relativ einfach:
| Ein Polygon heisst konvex, wenn für jedes Punktepaar, das innerhalb des Polygons liegt, sich auch dessen Verbindungsstrecke vollständig im Polygon befindet |
Man durchläuft
die Grenzlinien des konvexen Polygones im mathematisch positiven Sinne;
liegt der Punkt P immer auf der linken Seite (siehe dazu das Beispiel
zu den homogenen Koordinaten), so
befindet sich der Punkt P innerhalb des Polygons, anderenfalls ausserhalb.
Auch die Lage von P genau auf dem Polygonrand lässt sich mit Hilfe
homogener Koordinaten leicht bestimmen.
Für ein nicht-konvexes
Polygon (also mit herausspringenden Ecken) ist
die Lösung schon schwieriger; eine mögliche Lösung ist folgende:
Man sendet vom Punkt
P aus einen Halbstrahl z.B. in östliche Richtung und schneidet ihn mit
allen Randlinien des Polygons; ist die Anzahl der Schnittpunkte ungerade, so
liegt der Punkt P innerhalb des Polygons. Diese Lösungsidee funktioniert
auch bei konvexen Polygonen.
Probleme ergeben sich
allerdings, wenn der Halbstrahl tangential den Rand des Polygones trifft; für
die praktische Anwendung dieses point-in-polygon
- Problems muss also eine effizientere Lösung
gefunden werden.
Neben solchen grundlegen
Problemen geometrisch-topologischer Analysen gibt es natürlich fast
beliebig komplexere Aufgabenstellungen im Hinblick auf fachlich- geowissenschaftliche
Fragen. Exemplarisch sollen hier (unter Verzicht auf die algorithmischen
Lösungsmöglichkeiten) geometrisch-topologische Analysen
in Netzwerken betrachtet werden; zur Netzwerk-Definition sei auf
das Kapitel 4.5 verwiesen.
| Wir betrachten ein einfaches
Beispiel eines Netzwerkes. Dies könnte z.B. ein als ungerichteter
Graph modelliertes Straßennetz oder Netzwerk von Ver- oder
Entsorgungsleitungen sein.
Hinsichtlich der Qualität der Daten ist darauf zu achten, dass - keine knotenfreien Kreuzungen existieren - keine Kante über den zug. Knoten hinausschiesst (overshoot) - keine Kante einen zug. Knoten nicht ganz erreicht (undershoot) |
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| Einige Grundbegriffe zur
Analyse von Netzwerken:
Pfad
(path) = Weg von Knoten A zu Knoten B (s.
Beispiel)
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Typische Analyseprobleme in Netzwerken
sind:
| Shortest-Path-Problem:
Gesucht ist die (entsprechend der gewählten Metrik!) geometrisch kürzeste Route von Knoten A nach Knoten E. Hier ist von A nach E die rote Alternative der geometrisch kürzeste Weg. Als Variante kann auch der topologisch kürzester Weg gesucht werden, wobei die Anzahl der Knoten und/oder Kanten zu minimieren ist. Anwendung: Kürzeste/schnellste Erreichbarkeit von Unfallorten; Anschluss eines Versorgungsteilnehmers |
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| Travelling-Salesman-Problem:
Gesucht ist die optimale Anfahrreihenfolge von n vielen Kunden auf kürzestem/schnellstem Weg mit anschliessender Rückkehr zum Ausgangspunkt. Im Beispiel soll der Punkt A der Ausgangs- und Endpunkt sein; die Punkte B, C und D müssen besucht werden. Anwendung: Kundendienstmitarbeiter, Handelsvertreter, Anschluss mehrerer Versorgungsteilnehmer, Müllentsorgung |
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| Standortplanung
(Location - Allocation):
Gesucht ist der optimale Standort für ein geplantes Ver- oder Entsorgungsunternehmen; dabei sollen minimale Transportkosten entstehen; alternative/ergänzende Ziele können die Maximierung des potentiellen Einzugsgebietes oder die geringstmögliche Überschneidung mit benachbarten Einzugsgebieten sein. Im Beispiel ist der Punkt A optimaler Standort für die Versorgung der Punkte B, C, D, E und F unter Berücksichtigung ausschließlich der gesamten Weglänge. Anwendung: Standortsuche für Schulen, Kindergärten, Feuerwachen, Supermärkte, Restaurants ect. |
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Die drei oben aufgeführten Analyseprobleme sind die einfachsten Basisprobleme
für Netzwerkanalysen.
In der Realität werden komplexere
Problemlösungen gesucht, zum Beispiel Tourenplanung
für ein Logistik-Fahrzeug mit begrenzter Ladekapazität, begrenzter
Fahrzeit des Fahrers und einzuhaltenden Lieferterminen bei den Kunden.
Auch Lösungen zur Fahrzeugnavigation
sind in der Regel komplizierter, da hier z.B. Einbahnstraßen und die zeitlich
sich schnell ändernde Verkehrsdichte zu berücksichtigen sind.